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Digitalisierung des Gesundheitswesens

Veröffentlicht am: 29. November 2023

Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens eröffnet den privaten Krankenversicherungen neue Chancen und stellt sie gleichzeitig vor Herausforderungen. Gestartet im Jahr 2004, ermöglicht die Telematikinfrastruktur (TI) heute einen sicheren Austausch von medizinischen Daten und ist für die privaten Krankenversicherungen von entscheidender Bedeutung, um die Vorteile der Digitalisierung zu nutzen. Anwendungen wie die elektronische Patientenakte (ePA), der elektronische Medikationsplan (eMP) und die Kommunikation im Medizinwesen (KIM) tragen zur Verbesserung des Kundenservice bei und bieten Potenzial für Kosteneinsparungen.

Einige Beispiele für konkrete Use Cases:

Ambulant-ärztliche Versorgung:

Im Jahr 2021 haben die privaten Krankenversicherungen für die ambulant-ärztliche Versorgung, 12,67 Milliarden Euro ausgegeben. Ein Blick auf die Entwicklung zeigt, dass der Betrag seit 2006 jedes Jahr, inflationsbereinigt gestiegen ist und aller Voraussicht nach weiter steigen wird.[1],[2]

Ein Grund für diesen Anstieg ist die Überversorgung von Patientinnen und Patienten.

Die Gründe für Überversorgung sind wiederrum vielfältig. Dazu zählen mangelnde Koordination zwischen verschiedenen Versorgungsbereichen, unzureichender Informationsaustausch zwischen Ärztinnen und Ärzten sowie ökonomische Anreize im Gesundheitssystem. Die Folgen sind eine Verschwendung von medizinischen und ökonomischen Ressourcen, potenzielle Gesundheitsrisiken durch überflüssige Behandlungen und eine generelle Belastung des Gesundheitssystems.

Anhand eines Beispiels wird dies besonders klar.

Bei Rückenschmerzen ordnen viele Ärztinnen und Ärzte in Deutschland sofort ein MRT oder andere bildgebende Verfahren an. Dabei sind in etwa 85% der Fälle, die Gründe für die Schmerzen harmlos. In der Regel werden in den ersten sechs Wochen nach erstmaligem Auftreten der Schmerzen nicht genug manuelle Therapiemethoden ausgeschöpft, die ein bildgebendes Verfahren in den meisten Fällen obsolet machen würden. Zudem hat eine zu frühe oder unnötige Bildgebung oftmals Operationen mit begrenzten oder fragwürdigem Nutzen zur Folge.[3],[4]

Die ePA, ein zentrales Element der Telematikinfrastruktur, ermöglicht eine sichere und effiziente Speicherung der Daten von Patientinnen und Patienten. Durch die Bereitstellung der vollständigen Daten können Behandlungsverläufe nachvollzogen und Doppeluntersuchungen vermieden werden. Weiter kann festgestellt werden, ob eine Indikation vorliegt, die ein bildgebendes Verfahren wirklich nötig macht.

Auf diese Weise kann ein Bewusstsein für die möglichen Risiken, bei den Patientinnen und Patienten sowie bei den überweisenden Ärztinnen und Ärzten geschaffen werden.

Stationäre Versorgung

Lange Krankenhausaufenthalte stellen sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für das gesamte Gesundheitssystem eine Belastung dar. Effizienzsteigerungen in diesem Bereich sind daher von hoher Bedeutung. Die Einführung der TI-Anwendung Kommunikation im Medizinwesen (KIM) hat das Potenzial, diese Prozesse zu beschleunigen und somit die Aufenthaltsdauer in den Krankenhäusern zu reduzieren.

TI-Anwendungen erlauben den schnellen Zugriff auf frühere Diagnosen und Befunde. Ein Umstand, der auch die Anamnese deutlich beschleunigt und diese auch in ihrer Genauigkeit verbessert.

Weiter trägt die Digitalisierung der Entlassungsprozesse durch die KIM wesentlich zur Verkürzung der stationären Aufenthalte bei. Durch die schnelle und sichere Kommunikation zwischen Krankenhauspersonal, Patienten und nachfolgenden Behandlungseinrichtungen können administrative Hürden effizienter bewältigt werden. Außerdem kann so sichergestellt werden, dass die Patientinnen und Patienten nach ihrem Krankenhausaufenthalt, vollumfänglich betreut werden.

Arznei- und Verbandmittel:

Im Jahr 2019 wurden in Deutschland 1,5 Milliarden Packungen Arzneimittel von Apotheken herausgegeben. Die Hälfte davon waren rezeptpflichtige Medikamente.

Der Trend geht in die Richtung, dass jedes Jahr mehr Arzneimittel verordnet werden und zusätzlich steigen die Kosten für neue Arzneimittel. Ausgehend vom Jahr 2010 bis zum Jahr 2020 haben sich die Kosten für neue Arzneimittel fast vervierfacht.

Es ist anzunehmen, dass im Bereich der Arzneimittelversorgung ebenfalls das Problem der Überversorgung besteht.[5],[6]

Auch hier macht ein Beispiel den Sachverhalt deutlich.

Laut Arzneiverordnungs-Report des Jahres 2020 wurden 3,7 Milliarden Tagesdosen Magensäureblocker von deutschen Ärztinnen und Ärzten verschrieben. Experten zufolge nehmen Ärztinnen und Ärzte hier etwa 70 Prozent aller Verordnungen ohne korrekte Indikation vor. Das heißt, sie sind medizinisch nicht zwingend notwendig.[7]

Studien, die die Langzeiteinnahme von Magensäureblockern untersucht haben ergaben, dass ein erhöhtes Risiko von ernsten Folgeerkrankungen besteht.[8]

Wie beispielsweise:

  • Nierenentzündungen
  • Knochenbrüchen
  • Herzkreislauferkrankungen
  • Lungenentzündungen

Es ist möglich, die Indikationen, die den Einsatz von Magensäureblockern wirklich notwendig machen, mit den Daten in der ePA abzugleichen und somit bei Verschreibung ohne klare Indikation sowohl bei den Patientinnen und Patienten als auch bei der Versicherung, Transparenz zu schaffen.

Ein weiteres aktuelles Problem sind die potenziell gefährlichen Wechselwirkungen bei Polymedikation. Eine repräsentative Umfrage ergab, dass 56% der befragten Patientinnen und Patienten in Deutschland mehr als einen verordnenden Arzt haben. Diese Ärzte wissen in der Regel nichts darüber, dass andere Ärzte bereits Medikamente verordnet haben.[9]

Hier liegt eine Stärke des eMP. Dieser wird laut Gematik ab der Verordnung von drei verschiedenen Medikamenten automatisch erstellt. Hier können verschiedene verordnende Ärztinnen und Ärzte einsehen, welche Medikamente die Patientin oder der Patient bereits einnimmt. Sollten nun Wechselwirkungen zwischen diesen Medikamenten bestehen, können Patientinnen und Patienten, das ärztliche Fachpersonal und die Versicherungen darüber informiert werden.

Wir würden uns gerne weiter mit Ihnen über mögliche Use Cases unterhalten.

Wir begleiten Sie bei der Anbindung an die Telematikinfrastruktur und teilen gerne unsere Erfahrungen zur erfolgreichen Umsetzung datengetriebener Use Cases mit Ihnen!

[1]   https://www.wip-pkv.de/fileadmin/DATEN/Dokumente/Studien_in_Buchform/WIP-2023-Mehrumsatz_und_Leistungsausgaben_der_Privatversicherten_Jahresbericht_2023_Mai.pdf

[2]   https://www.sozialpolitik-aktuell.de/files/sozialpolitik-aktuell/_Politikfelder/Gesundheitswesen/Datensammlung/PDF-Dateien/abbVI30.pdf

[3]   https://www.leitlinien.de/themen/kreuzschmerz/2-auflage/kapitel-3#k3-5

[4]   https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1529943016310932

[5]   https://www.dak.de/dak/bundesthemen/dak-amnog-report-2020-2331046.html#/

[6]   https://www.bah-bonn.de/index.php?id=2&type=565&file=redakteur_filesystem/public/20200507_BAH_Zahlenbroschuere_2019_WEB.pdf

[7]   https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-62168-4

[8]   https://der-arzneimittelbrief.com/artikel/2008/protonenpumpenhemmer-zu-haeufige-verordnung-und-risiken-bei-dauertherapie

[9]   https://www.abda.de/fileadmin/user_upload/assets/Pressetermine/2015/DAT_2015/PK/ABDA-Umfrage_Polymedikation_2015_Ergebnistabellen.pdf

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