E2E-Digitalisierung bedeutet Zukunftsfähigkeit für Bausparkassen

Veröffentlicht am: 12. Januar 2026

Bei einem Blick auf die Bankenlandschaft in Deutschland kommt man, wenn es um Wohneigentumsfinanzierungen geht, an Bausparkassen nicht vorbei. Doch Marktumfeld, Kundenerwartungen und Digitalisierung stellen diese vor große Herausforderungen. Dieser Artikel beleuchtet die aktuelle Lage der Bausparkassen, zeigt Konsolidierungen und Trends auf und gibt einen Ausblick, wie Bausparkassen ihre Rolle im Finanzmarkt auch künftig behaupten können.

Idee der Bausparkassen und ihre Entwicklung in Deutschland

Der Kollektiv-Gedanke, der Bausparen zu Grunde liegt, hat seinen Ursprung schon im 18. Jahrhundert in Großbritannien und wurde zum Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland populär. Bis heute sind Bausparkassen ein fester Bestandteil der Deutschen Bankenwelt und Bausparverträge in den meisten privaten Immobilienfinanzierungen eine wichtige Komponente, um Zinssicherheit zu steigern, Förderungen zu nutzen oder Eigenkapital anzusparen sowie einzusetzen und somit den Traum vom Eigenheim zu realisieren.

Aktuell gibt es in Deutschland 13 Bausparkassen: 8 private Bausparkassen, die alle dem Verband der deutschen Bausparkassen angeschlossen sind, und 5 öffentliche Bausparkassen. Die drei größten Bausparkassen gemessen an der Bilanzsumme und dem Bausparvolumen sind die Bausparkasse Schwäbisch Hall AG, die BHW Bausparkasse AG und die Wüstenrot Bausparkasse AG.

Anfang 2020 gab es noch 11 private und 8 öffentliche Bausparkassen. Dies zeigt, dass sowohl die privaten als auch die öffentlichen Bausparkassen unter erheblichem Konsolidierungsdruck stehen wie man am Beispiel der Übernahme der start:bausparkasse AG im Jahr 2024 durch die Wüstenrot Bausparkasse AG sieht. Bei den Landesbausparkassen schlossen sich zuletzt die LBS Bayern und die LBS Südwest zur neuen LBS Süd zusammen, die damit nun die größte Landesbausparkasse ist. Die technische Fusion soll diesen Herbst abgeschlossen sein.

Bedeutung der Bausparkassen und Entwicklung des Bauspargeschäfts in Deutschland 

Im Jahr 2023 hatten Bausparkassen laut Verband der privaten Bausparkassen einen Marktanteil von 18% – bezogen auf die Baugeldauszahlungen (Auszahlungsvolumen privater Wohnungsbaufinanzierung). Dies verdeutlicht die etablierte Stellung am Markt und die Bedeutung der Bausparkassen.

In Kombination mit staatlichen Fördermöglichkeiten wie Riester oder Wohnungsbauprämie bieten Bausparkassen insbesondere Familien oder Haushalten mit geringeren Einkommen die Möglichkeit Wohneigentum zu erwerben und tragen der Grundidee aus dem 18. Jahrhundert noch heute Rechnung.

Dennoch ist das Neugeschäftsvolumen der deutschen Bausparkassen in den letzten Jahren rückläufig und während das Baufinanzierungsgeschäft wieder anzieht, setzt sich der Abwärtstrend bei den Abschlüssen von Bausparverträgen weiter fort.

Mögliche Ursachen

Die Gründe für die rückläufigen Zahlen scheinen vielfältig: Von der zunehmenden Konkurrenz durch leichtzugängliche alternative Sparformen wie ETFs bis zu den Vertriebskanälen.

Kunden wollen heutzutage auch ihre Finanzprodukte digital und schnell online abschließen. Ein kurzer Vergleich über Plattformen und mit wenigen Klicks zum Abschluss ist die heutige Erwartungshaltung.

Der Vertrieb in Bausparkassen ist in der Regel anders aufgebaut. Über eigene Vertriebsstrukturen oder Vermittler und Makler erfolgt der Abschluss im persönlichen Beratungsgespräch. Zusätzlich haben die meisten Bausparkassen enge Partnerschaften mit Banken. Die Beratung ist beim Bauspargeschäft in vielen Situationen auch nicht durch den schnellen Self-Service zu ersetzen. Denn auch wenn der Mehrheit der Kundinnen und Kunden in Deutschland „Bausparen“ ein Begriff ist, wissen die wenigsten, wie es im Detail funktioniert.

Trotzdem haben viele Bausparkassen auf den Wandel im Abschlussverhalten der Kunden bereits reagiert und vom Tarifrechner bis zur Online-Abschlusstrecke Lösungen für die digital-affinen Kunden bereitgestellt.

Zusätzlich haben viele Bausparkassen auch Abschlusstrecken für die unterschiedlichen Vertriebskanäle, um die Beratung zu digitalisieren.

Hürden bei der Digitalisierung

  • Systemlandschaft

Eine zentrale Herausforderung bei der Digitalisierung ist die Kompatibilität mit der Systemlandschaft in den Bausparkassen. Häufig kommt es im Abschlussprozess oder spätestens bei der Verarbeitung der neuen Anträge zu Medienbrüchen oder manuellen Prozessschritten, da die Kernsysteme bei den erforderlichen Verfügbarkeiten, Schnittstellen oder der Performance an ihre Grenzen stoßen.

Somit bieten die meisten Bausparkassen bereits einen digitalen Auftritt und auch Abschlussstrecken oder online-Vergleichsrechner. Schaut man genauer hin, ist die digitale Lösung jedoch nur ein zusätzlicher Kanal, der spätestens nach der Unterschrift des Kunden endet – oder sogar schon beim Ausdruck des Antrags. Im Anschluss führen manuelle Bearbeitung der Anträge oder die Überführung in die Kernsysteme zu langen Bearbeitungszeiten und hohen Kosten für die Bausparkassen. Bei der Bearbeitung von Bestandsgeschäft (Erhöhung der Bausparsumme, Teilung von Verträgen, Nachlassfälle usw.) sind die Abläufe an komplexe Systeme gebunden, die häufig wenig intuitiv sind. Eine Einarbeitung und Spezialisierung von Mitarbeitenden sind daher in der Regel erforderlich. 

  • Komplexität durch Zuteilungsverfahrung und Bewertungssystem

Die Grundidee des Bausparens, dass durch Spar- und Tilgungsbeiträge immer ausreichend Mittel zur Verfügung stehen, um kostengünstig Wohnträume zu finanzieren, entwickelte sich zu einem Zuteilungssystem mit Bewertungszahlen, die individuell pro Bausparkasse mit den einzelnen Tarifvarianten eng verzahnt sind. Wie genau sich die Bewertungszahlen berechnen und wann die Zuteilung des Bausparvertrags erfolgen kann, ist ein wesentlicher Grund für die Komplexität und den Beratungsbedarf bei den Kunden. Die Berechnungslogik, Bewertungsstichtage und Berechnungsfaktoren sind dabei in der Regel in den Vertragsbedingungen festgelegt und beziehen das Guthaben/ die Ansparraten sowie die Bausparsummen mit ein, um die „Sparleistung“ zu würdigen. Bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall AG erfolgt bspw. unter anderem nur zum Zweck der Bewertungszahlrechnung eine gesonderte fiktive Zinsrechnung, die neben dem Bewertungszahlfaktor und einem Leistungsfaktor in die Berechnung einfließt.

Durch die hohe Flexibilität in der Ansparung, die für Bausparkunden natürlich von Vorteil ist, wird jedoch die genaue Planbarkeit erschwert. Bei vorfinanzierten Bausparverträgen muss sich zusätzlich die Fälligkeit der Finanzierung an den tatsächlichen Zuteilungstermin anpassen. Insgesamt profitieren die Kunden von der Kombination aus Flexibilität und Zinssicherheit.

Die über Jahre entstandenen Bewertungszahlrechner/Zuteilungsrechner sind allerdings häufig Teil der Kernsysteme und eine zusätzliche Herausforderung bei der Digitalisierung.

  • Gesellschaftsrechtliche Strukturen

Bausparkassen sind in Deutschland in der Regel Teil eines Versicherungs- oder Bankkonzerns bzw. einer Finanzgruppe. Dies hat Vorteile, führt aber häufig auch dazu, dass Vorgaben aus dem Konzern/der Gruppe eingehalten werden müssen. Diese Vorgaben können für Systemnutzung und Kosten für IT- und Systementwicklung gelten. Wenn Kernsysteme im Banken- oder Versicherungskonzern für die gesamte Gruppe genutzt werden, erhöht dies die Komplexität und verringert häufig die Anpassungsfähigkeit der Systeme. Erschwerend hinzu kommt, dass zwar Kostenvorgaben oder Restriktionen aus IT-Sicherheitsaspekten greifen, aber die Bank- oder Versicherungssysteme die Bausparkassenbedarfe nicht umsetzen können und Bausparkassen in der Situation sind, eigene Kernsystemlösungen finden zu müssen. Dies ist zeit- und kostenintensiv. Die drei größten Bausparkassen sind diese Herausforderung gemeinsam mit SAP angegangen und haben ein System entwickelt. Zwar war dies ein wichtiger Schritt, löst aber längst nicht alle Herausforderungen.

Fazit

Bei zunehmendem Kostendruck, dem die Bausparkassen nicht zuletzt durch die rückläufigen Abschlusszahlen unterliegen, ist eine vollständige Digitalisierung der Prozesse (End-to-End) zwar dringend erforderlich aber zugleich eine der größten Herausforderungen. Durch eine erfolgreiche Aufstellung digitaler Prozesse kann die Marktposition sowie die Bedeutung der Bausparkassen für die Konzerne und Finanzgruppen jedoch langfristig erhalten und gesteigert werden.

Unsere Lösung ist digital, flexibel und intuitiv

Die dauerhafte und zukunftsfähige Lösung der beschriebenen Herausforderungen liefern wir – das heißt crossbuilders und crossconsulting gemeinsam. In den letzten Jahren hat crossbuilders Plattformlösungen für Bausparkassen etabliert und professionalisiert, die durch ihren modularen Aufbau für die jeweilige Prozess- und Systemlandschaft sowie die jeweiligen strategischen Ziele der Bausparkasse individualisiert werden. 

Beim Aufbau und der erfolgreichen Umsetzung der Projekte unterstützen wir mit ausgeprägter Fachexpertise sowie Methodenkompetenz.

Zum Schluss greifen vom Antrag bis zu Middle- / Backoffice-Prozessen alle Arbeitsschritte ineinander. Durch den modularen Aufbau können verschiedene Lösungen bspw. für Tarifberechnungen, Vertragsauflösungen, Blankodarlehensbeantragung- und Auszahlung individualisiert eingesetzt werden. Dabei bieten wir auch Lösungen für spezielle Prozesse in der Bestandsverwaltung wie zum Beispiel der Nachlassbearbeitung. Je nach Bedarf und Komplexität kann mit dem Kernsystem kommuniziert oder Schritte ausgelagert werden.

Sprechen Sie uns gerne an!

Autorin: Claudia Steffens, Managerin

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